Umsatzsteuer für Bauleistungen, Änderungen ab 15.02.2014

Die Finanzverwaltung hat aufgrund eines Urteils des Bundesfinanzhofes ihre Auffassung zur Frage, wer ist ein Bauleistungserbringer im Sinne des Umsatzsteuergesetzes mit Wirkung zum 15.02.2014 geändert. Daher sind bei der Rechnungen über Bauleistungen Änderungen zu beachten.

Änderungen bei der Umsatzsteuer auf Bauleistungen ab dem 15.02.2014

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

seit dem 15.02.2014 wird bei der Umsatzsteuer die Rechtsprechung zur Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers vom Bundesfinanzhof (im Folgenden: BFH) durch das Bundesfinanzministerium in vollem Umfang angewendet. Für Leistungszeiträume, die bis zum 14.02.2014 enden, bleibt es bei der bisherigen Regelung.

 

Wir bitten Sie zu Ihrer eigenen Sicherheit, nachfolgende Ausführungen bei Rechnungslegungen ab dem 15.02.2014 unbedingt zu berücksichtigen:

 

Bei bezogenen Bauleistungen schuldet der Leistungsempfänger nur noch dann die Umsatzsteuer, wenn er die bezogene Bauleistung selbst für eine von ihm gegenüber einem Anderen erbrachte Bauleistung verwendet. Das bedeutet, es kommt nicht mehr wie bislang darauf an, ob der Empfänger einer Bauleistung ein Bauunternehmer ist, sondern auf folgende
Unterscheidungsmerkmale:

 

Fall 1a (kein „Weiterverkauf“ der Bauleistung):

Der Leistungsempfänger bezieht die vom Bauleistungserbringer bezogene Bauleistung für sich selber (z. B. Einbau einer Heizungsanlage in einem privat genutzten Einfamilienhaus oder in eine einem Bauunternehmer gehörende Mietwohnung oder in das Bürogebäude eines Bauunternehmers).

 

Lösung: Die Rechnung ist ab dem 15.02.2014 mit Umsatzsteuer auszustellen!

Umgekehrt ist diese Änderung auch zu berücksichtigen. Wenn Sie Leistungen für ein von Ihnen vermietetes Haus beziehen, müssen Sie für Leistungszeiträume ab dem 15.02.2014 für Bauleistungen an Sie von Ihren Baufirmen Rechnungen mit Umsatzsteuer erhalten, auch wenn Sie mit Ihrem Unternehmen selber Bauleistungen erbringen und somit Bauleistungserbringer im Sinne des Umsatzsteuergesetzes sind.

 

Fall 1b (Bauträger): Der Leistungsempfänger bezieht die vom Bauleistungserbringer bezogene Bauleistung für seine Firma (z. B. Einbau einer Heizungsanlage in ein Gebäude, wobei der Auftraggeber als Bauträger auftritt).

Lösung: Die Rechnung ist ab dem 15.02.2014 mit Umsatzsteuer auszustellen!

Weiter ist wichtig, dass der BFH auch den Begriff der Bauleistung im Sinne des Umsatzsteuergesetzes beim Bauträger anders ausgelegt hat, als es bislang die Finanzverwaltung tat. Nach der nunmehr auch von der Finanzverwaltung angewandten Auslegung des Begriffs „Bauleistung“ im Sinne des Umsatzsteuergesetzes ist ein Bauträger kein Bauleistungserbringer. Denn der Bauträger liefert umsatzsteuerlich bebaute Grundstücke. Davon abzugrenzen ist der Generalunternehmer. Dieser erbringt umsatzsteuerlich Bauleistungen.

Da ein Bauträgerunternehmen sowohl Verträge mit seinen Kunden als Bauträgerverträge oder als Generalunternehmerverträge abschließen kann, ist auch hier vorab anhand des Beiblattes zum Auftrag zu klären, ob der konkrete Bauauftrag dem genannten Fall 1b oder dem unten genannten Fall 2 zuzuordnen ist.

 

Fall 2 („Weiterverkauf“ der Bauleistung):

Die vom Bauleistungserbringer bezogene Bauleistung wird vom Leistungsempfänger dazu verwendet, eine Herstellung, Instandsetzung, Instandhaltung, Änderung oder Beseitigung von Bauwerken zu bewirken (z. B. Einbau einer Heizungsanlage durch einen Heizungsbauer S als Subunternehmer eines anderen Heizungsbauers H in das Haus eines Kunden des Heizungsbauers H (im Auftrag und für Rechnung des Heizungsbauers H).

 

Lösung: Die Rechnung ist wie bisher ohne Umsatzsteuer auszustellen! In der Rechnung sind wie bisher unverändert die gleichen Formalien zu beachten.

 

Ihr Risiko:

Sollte der Bauleistungserbringer eine Rechnung ohne Umsatzsteuer ausstellen und das Finanzamt im Nachhinein nachweisen können, dass dies falsch war, muss er die Umsatzsteuer für diese Rechnung noch an das Finanzamt bezahlen, obwohl er sie von seinem Kunden nicht erhalten hat.

 

Wichtig für Sie ist: Der Leistungsempfänger (Ihr Auftraggeber) sollte bei Vertragsabschluss gegenüber dem leistenden Unternehmer (Ihnen gegenüber) eine eindeutige Aussage treffen, ob er die bezogene Bauleistung selbst für eine Bauleistung verwendet oder nicht.

Unsere Hilfestellung für Sie:

Um Ihnen hier eine kleine Möglichkeit an die Hand zu geben, überhaupt zu erkennen, welcher der oben geschilderten Fälle vorliegt, haben wir Ihnen ein Beiblatt zu Ihren Aufträgen beigelegt. Dieses Beiblatt sollten Sie sich als Bauleistungserbringer bei Vertragsabschluss jeweils vom Auftraggeber ausfüllen und unterschreiben lassen und zu Ihren Unterlagen nehmen.

 

Da die Vorlage einer Freistellungsbescheinigung nach § 48b EStG nach Auffassung der Finanzverwaltung ein Indiz (aber auch nicht mehr) für das Vorliegen einer Bauleistung ist, haben wir die Frage nach dieser Freistellungsbescheinigung mit in das Beiblatt aufgenommen. Wenn Ihr Auftraggeber über eine Freistellungsbescheinigung verfügt, nehmen Sie bitte eine Kopie der Freistellungsbescheinigung zu Ihren Unterlagen.

 

Bitte prüfen Sie für den Zeitraum ab dem 15.02.2014, ob Ihre Rechnungen korrekt ausgestellt sind und ob Sie korrekte Eingangsrechnungen erhalten haben. Sofern das nicht bei allen Rechnungen der Fall ist, bitten wir Sie in Ihrem Interesse, diese Rechnungen zu korrigieren. Andernfalls könnte es nach einer Prüfung durch das Finanzamt zu einer Umsatzsteuernachzahlung kommen.

 

Hier finden Sie das BMF-Schreiben vom 08.05.2014:

 

http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Downloads/BMF_Schreiben/Steuerarten/Umsatzsteuer/Umsatzsteuer-Anwendungserlass/2014-05-08-USt-Steuerschuldnerschaft-Leistungsempfaenger-Bauleistungen-Gebaeudereinigungsleistungen.html

 

Dieses Schreiben erhält unter III die Auffassung der Finanzverwaltung zur Frage, was bei Bauleistungen umsatzsteuerlich zu beachten ist, die vor dem 15.02.2014 begonnen und nach dem 14.02.2014 beendet werden.

 

 

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